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> Erlebnisorientierte Therapie - Gibt es das und macht das Sinn?
Manyana
Geschrieben am: 11. Oct 2021, 18:39
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Hallo zusammen,

ich hoffe sehr, ich trete mit meiner Frage niemandem auf die Füße. Ich weiß einfach nicht gut genug Bescheid und finde zu meiner Frage auch nichts im Internet. Vielleicht könnt Ihr mir helfen, denn Ihr seid die Expert*innen.

Ich bin Pädagogin und arbeite in einem Jugendzentrum. Eine unserer langjährigen Besucherinnen (19 Jahre) leidet schon lange unter Anorexie. Während Corona hat sich ihre Erkrankung massiv verschlimmert. Sie wiegt nur noch 35 kg, und die Therapie-Klinik hat sie entlassen mit den Worten, dass sie nichts mehr für sie tun können und sie nur noch zwei Wochen zu leben habe.

Wir kennen das Mädchen und ihre Familie echt schon sehr lange und machen uns wirklich große Sorgen um sie.

Nun meine Frage: wenn die "althergebrachten" Therapien nicht funktionieren, wisst Ihr vielleicht von alternativen Therapiemöglichkeiten, die auch Erfolg haben könnten? Anorexie ist unseres Wissens nach ja eher eine Erkrankung der modernen Industriegesellschaft.
Ich frage jetzt echt ganz plump: Was würde passieren, wenn ein an Anorexie erkrankter Mensch über mehrere Monate nicht mehr in der modernen Gesellschaft, sondern irgendwo leben würde, wo sich der Fokus möglicherweise verschieben könnte: z.B. im Dschungel, wo Dinge wie Wasser, Unterschlupf, etc. eine große Rolle spielen. Wo es keine Spiegel, keine Waage o.ä. gibt. Wo das Leben naturbedingt ganz andere Schwerpunkte hat...

Würde sich dadurch im Erleben dieser Menschen irgendetwas ändern? Würde das irgendetwas bewirken? Oder hätte das vermutlich so gar keine Auswirkungen auf die Krankheitsentwicklung?

Ich wäre Euch echt total dankbar, wenn Ihr mir dazu Eure Eindrücke schreiben könntet, weil ich das als Nicht-Betroffene einfach nicht einschätzen kann. Naja, vermutlich ändert sich nicht so viel, weil ich davon ausgehe, dass es solche Therapieangebote sonst bereits geben würde - und ich kann dazu einfach nichts finden.

Und falls noch jemand einen anderen Tipp hat: sehr sehr gerne her damit!

Ich danke Euch und hoffe inständig, dass sich niemand auf die Füße getreten fühlt, denn das möchte ich wirklich nicht.

Herzliche Grüße,

Manyana.
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nellie
Geschrieben am: 11. Oct 2021, 22:27
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Hallo Manyana, will doch kurz antworten, weil es mich bewegt, was du hier schreibst. Ich war nie magersüchtig, bin aber in meiner Therapiegeschichte vielen Anorexie PatientInnen begegnet und jetzt selber ärztlich tätig, da kann ich das Dilemma glaube ich ganz gut nach vollziehen. Du fühlst dich hilflos was eure Klientin angeht.
Was die Dschungel Überlegungen angeht, so ist meines Erachtens gut belegt, dass Erkrankungen wie Magersucht in solchem kulturellen Umfeld weniger vorkommen. Und ich würde aus meiner eigenen Erfahrung auch sagen, dass ich auf einer mehrtägigen Kanutour in der Wildnis die Essstörung bei mir in den Hintergrund trat und ich Dinge machen konnte, die ich daheim mir nicht hätte vorstellen können. Aber ich denke, dass in dem Stadium, in dem eure Patientin ist, das - auch als Gedanke - nicht mehr in Frage kommt. Aus meiner Sicht besteht der Unterschied darin, ob es sich um eine „Therapiestrategie“ oder einen realen Überlebensmodus handelt. Und ob der körperliche Zustand es überhaupt noch hergeben würde.
Ich denke, dass viele Magersüchtige sich gar nicht klar machen, dass sie sterben werden, bis sie es tatsächlich tun. Das ist das Tragische daran. Dass man einem Menschen beim Sterben zusieht, der eigentlich gar nicht sterben will.
Ich wünsche dir die Kraft, diese Situation auszuhalten, denn mehr kannst du gerade wohl nicht tun.
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Manyana
Geschrieben am: 12. Oct 2021, 09:48
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Liebe Nellie,

ganz vielen lieben Dank für Deine Einschätzung!!! Wir sind einfach völlig hilflos auf der Suche nach etwas, was wir für sie tun können...
Es ist nicht leicht, einfach nur zuzugucken...

Danke Dir sehr!

Liebe Grüße,
Manyana.
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Nyk
Geschrieben am: 12. Oct 2021, 11:29
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Lassen Sie mich durch, ich bin Zahnfee!


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Das lässt mich direkt an den Fall eines jungen Mannes erinnern, der sich in den Dschungel zurück gezogen hat und dort spirituell wachsen wollte, indem er sich nur noch von Licht ernährt.
Der ist schlussendlich dann auch dort im Dschungel verhungert und gestorben.
Also ab einem gewissen Grad der Erkrankung führt so eine Zurückführung an die Basis des Seins wohl nicht mehr aus dem Teufelskreis heraus.
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Manyana
Geschrieben am: 12. Oct 2021, 15:44
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Ganz vielen Dank, Nyk, auch für Deine Einschätzung!!!

Liebe Grüße!!!
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